Lager „Heinrich“

Ehemalige Porzellanmanufaktur Max Schuck in Rottleberode

Am 13. März 1944 wurde mit dem Lager „Heinrich“ in Rottleberode das größte KZ-Außenlager seiner Art im Kreis Sangerhausen, als Folge des Verlagerungsprojektes „A5“, gegründet. Es unterstand trotz der Nähe zu Nordhausen zunächst dem KZ Buchenwald, wurde aber im Oktober 1944 dem KZ Mittelbau-Dora zugeordnet. Die Unterbringung erfolgte in der durch die SS angemieteten 3-Stöckigen Produktionsstätte der Porzellanmanufaktur Max Schuck nördlich von Rottleberode, östlich der heutigen Straße nach Stolberg, noch vor der Einfahrt zur heutigen „Stock’schen Siedlung“. Das Gebäude war von Wachtürmen mit Scheinwerfern und einem elektrisch geladenen Zaun umgeben. Das Wohnhaus der Familie Schuck lag außerhalb. Lagerführer waren erst SS-Sturmführer Heinz Grabowski und später SS-Hauptscharführer Erhard Brauny. Stellvertretender Lagerführer was bis Februar 1945 Hermann Lamp.

Mit dem Beginn des Ausbaus der Heimkehle im März 1944 begann die Vorbereitung des Projektes „A5“, welches die Untertageverlagerung der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG unter dem Namen „Thyrawerke“ zum Ziel hatte. Die Produktion von Federkernen und weiteren Flugzeugteilen für die „Ju88“ und „Ju188“ begann im August 1944. Hierfür wurden u.a. Höhlenseen zugeschüttet.

Karte_Rottleberode

Lageplan „Fremdarbeiterlager“ und Lager „Heinrich“ in Rottleberode

Die im Lager „Heinrich“ untergebrachten Häftlinge wurden nach Untersuchungen der Lebensumstände hauptsächliche in Bau- und Produktionshäftlinge unterteilt. Während die Produktionshäftlinge aufgrund der zu diesem Zeitpunkt wertvollen Arbeit besser gestellt wurden, mussten die Bauhäftlinge bis zur vollkommenen Erschöpfung oder zum Tod Zwangsarbeit leisten. So erhielten nach Angaben des Funktionshäftlings Walter Ulbricht die etwa 250-300 Produktionshäftlinge eine „bessere Verpflegung“, als die Häftlinge anderer Kommandos des Lagers. Es handelte sich hierbei meist um qualifizierte Gefangene, welche wie der Überlebende André Carre beschreibt weniger Todesopfer waren, jedoch dort vor allem an Erschöpfung, Lungenentzündung oder Schlafmangel starben. Sie wurden trotz ihrer Stellung nach der Arbeit durch die SS mit endlosen Appellen im Häftlingslager terrorisiert.

Die Bauhäftlinge hingegen mussten vor allem den Stollenausbau in Stempeda voran treiben. Dies betraf vor allem geschwächte Häftlinge, welche nach Willkür der Lagerführung und der Funktionshäftlinge zu schwersten Arbeiten eingeteilt wurden. Nach Angaben Ulbricht‘s betraf dies auch gezielt jüdische Häftlinge, welche mit den Evakuierungstransporten nach Dora kamen. Hierbei herrschten durch katastrophale Unterernährung, kraftzehrende Anmärsche und Arbeitszeiten mit bis zu 12 Stunden mit ständigem Antrieb durch die Aufseher tödliche Zustände. Der Stollenbau bei Stempeda erfolgte unter dem Namen Projekt „B4“, um eine weitere Produktionsstätte für den Junkers-Konzern zu schaffen.  Der Einsatz von Häftlingen erfolgte auch zur Holzkohleerzeugung. Kurz vor Zerschlagung des Lagers sollen ca. 1.800 Häftlinge im KZ Außenlager in Rottleberode gewesen sein. Die Gesamtzahl der Toten in Rottleberode liegt vermutlich bei 150. Sie wurden Opfer unmenschlicher Arbeits- und Lebensbedingungen, brutalster Misshandlungen und Morde. In der Nacht vom 4. auf den 5. April 1945 wurde das Lager mitsamt dem Nebenlager Stempeda durch die SS geräumt und der Grausamkeit des KZ folgte für die Häftlinge die Hölle der Todesmärsche u.a. zur Feldscheune Isenschnibbe. Ein großer Teil der Häftlinge kam dabei ums Leben – bei dem Massaker an der Feldscheune überlebten von ca. 1.000 Häftlingen aus verschiedenen Lagern lediglich 20 bis 25 Häftlinge. Die baulichen Relikte des Außenlagers in Rottleberode wurden Ende der neunziger Jahre abgerissen. In der Heimkehle erinnern heute noch Betonfundamente an die geleistete Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge. Erhalten blieben auch einzelne Baracken des KZ-Außenlagers in Stempeda.